Eine Studie offenbart erschreckende Lücken
Wenn Paare Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden, rückt oft die Gesundheit der Frau in den Fokus. Doch männliche Faktoren sind für rund die Hälfte aller Fälle von Unfruchtbarkeit verantwortlich. Umso überraschender ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung: Männer wissen erschreckend wenig über ihre eigene Fruchtbarkeit.
Für die im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Studie füllten 156 Männer zwischen 18 und 74 Jahren einen ausführlichen Fragebogen aus. Der Test umfasste 25 Fragen zu medizinischen und lebensstilbedingten Aspekten der Fruchtbarkeit, ergänzt um Angaben zu Alter, Beruf, Bildung und Kinderwunsch. Das Ergebnis ist ernüchternd: Im Durchschnitt wurden nur fünf der 25 Fragen richtig beantwortet. Ältere Teilnehmer schnitten zwar etwas besser ab, doch der Zusammenhang war schwach. Selbst Männer mit medizinischem Hintergrund oder eigener Erfahrung mit Unfruchtbarkeit lagen deutlich unter den Erwartungen.
Warum Supplements nicht ausreichen
Auffällig ist, dass über 80 % der Befragten Nahrungsergänzungsmittel einnahmen – meist Multi‑Präparate – ohne dass dies zu einem besseren Verständnis führte. Die Forscher*innen sehen darin eine gefährliche Diskrepanz zwischen gesundheitsbewusstem Verhalten und fehlender Kenntnis. Dies könnte dazu führen, dass Männer zwar teure Supplemente konsumieren, aber grundlegende Faktoren wie Schlaf, Ernährung oder das Vermeiden von Alkohol vernachlässigen.
Die Studie zeigt auch psychologische Hürden: Viele Männer schämen sich für das Thema oder betrachten es als persönliches Versagen. Deshalb suchen sie oft erst spät ärztliche Hilfe. Dabei lassen sich einige Ursachen relativ einfach beeinflussen – durch Rauchstopp, Bewegung, Normalgewicht, ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Schlaf und Stressmanagement. Die Autor*innen betonen: „Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass die Aufklärung über männliche Fruchtbarkeit nicht nur in der Medizin, sondern vor allem in der breiten Bevölkerung ansetzen muss“.
Was Männer konkret tun können
Männer sollten ihre Fruchtbarkeit als wichtigen Bestandteil der eigenen Gesundheit verstehen. Die regelmäßige Untersuchung von Spermienparametern kann helfen, frühzeitig Probleme zu erkennen. Viele Urologen bieten heute einfache Spermiogramme an, die Aussagen zu Spermienzahl, Motilität und Morphologie liefern.
Daneben sind drei Schritte entscheidend:
- Kenntnisstand erweitern: Seriöse Quellen wie urologische Praxen, Fachliteratur und spezielle Beratungsangebote vermitteln verlässliche Informationen.
- Lebensstil optimieren: Regelmäßiger Schlaf, eine ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum sowie das Reduzieren von Stress verbessern die Spermienqualität langfristig.
- Nahrungsergänzung gezielt einsetzen: Produkte mit Zink, Selen, Vitamin D, Omega‑3‑Fettsäuren und Coenzym Q10 können unterstützen – sie sind aber keine Wundermittel. In unserem Ratgeber Männliche Fruchtbarkeit Faktoren gehen wir ausführlich darauf ein.
Die gute Nachricht: Die meisten Faktoren sind modifizierbar. Wer frühzeitig handelt, steigert seine Chancen auf eine Schwangerschaft erheblich. Experten empfehlen, spätestens nach einem Jahr erfolgloser Versuche ärztlichen Rat einzuholen. Das gilt genauso für Männer wie für Frauen.